Stolpersteine und Schülerausstellung in Zwickaus Partnerstadt Jablonec

veröffentlicht am: 20.10.2026

Das Kulturamt informiert:

Am 14. Oktober 2026 wurden in der Zwickauer Partnerstadt Jablonec nad Nisou die ersten vier Stolpersteine verlegt. An dem Festakt beteiligte sich auch die Stadt Zwickau mit einem Gemeinschaftsprojekt, welches von den Priesterhäusern koordiniert wurde.

Seit letzter Woche sind die Namen Rolf Egon Salomon und Hertha Salomon sowie Max Moritz Neiger und Susanne Neiger wieder an ihre ehemaligen Wohnorte zurückgekehrt. Ihre Namen sind jedoch nicht an der Türklingel zu lesen, sondern in Messing eingraviert. Erstmals wurden in Jablonec nad Nisou - seit 1971 Partnerstadt Zwickaus - Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialistischen Regimes erinnern. Die Verlegung, an der neben Oberbürgermeister Milos Vele auch der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Liberec, David Maxa, sowie der Zwickauer Finanz- und Kulturbürgermeister Sebastian Lasch teilnahmen, war der Auftakt für eine neue und nachhaltige jüdische Erinnerungskultur.

Ein erster Anstoß zu diesem Schritt kam dabei aus Zwickau. Bei ihren Vorbereitungen für die Sonderausstellung „Erinnerns_Wert. Jüdische Spuren in Zwickau“ stießen die Kuratoren des Museums Priesterhäuser auf verblüffende Parallelen in der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Jablonec und Zwickau: Beide Städte waren im 19. Jahrhundert prosperierende Industrieorte. Eine liberale Religionspolitik machte es Menschen jüdischen Glaubens ab der Mitte der 1870er Jahre möglich, sich hier wieder anzusiedeln. Ein Effekt war der Zuzug von kaufmännischem Knowhow sowie Kapital. Während in Jablonec jüdische Unternehmerfamilien den Exporthandel mit Modeschmuck und Glas anführten und binnen kurzer Zeit die Stadt zu einer der reichsten Metropolen Mitteleuropas machten, steht für die Automobil- und Robert-Schumann-Stadt der Name Schocken für großen Erfolg. Die Folge war ein rasches Anwachsen der jüdischen Gemeinden in beiden Städten. 

Der Plan des Kuratorenteams war es deshalb, ihre Spuren, die trotz Verfolgung und Ermordung noch vorhanden sind, in Form eines Schülerprojektes wieder zutage zu fördern. Projektgruppen fanden sich hierfür am Zwickauer Käthe-Kollwitz-Gymnasium unter der Leitung von Dorit Seichter sowie an der Grundschule Liberecká unter der Leitung von Petra Endlerova. Schülerinnen und Schüler recherchierten zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern, deren Leben durch das nationalsozialistische Gewaltregime ein jähes Ende fand. Die Ergebnisse flossen in eine Ausstellung, die sieben jüdische Persönlichkeiten aus Jablonec sowie sieben aus Zwickau präsentiert. Erstmalig sind die Ergebnisse dieses deutsch-tschechischen Projektes nun auch in Jablonec zu sehen: Im Rahmen der feierlichen Stolpersteineinweihung eröffneten Vertreter der Priesterhäuser die zweisprachige Wanderausstellung „Forgotten Tracks“. Bis Anfang 2027 wird die Ausstellung auch an mehreren Standorten in Zwickau gezeigt. Bis zum 8. November ist sie in der Bibliothek der Westsächsischen Hochschule zu sehen. 

In Tschechien blickt die Stolpersteinverlegung auf eine noch junge Geschichte. 2014 wurden in Liberec und 2021 u.a. in Turnov Stolpersteine verlegt. In Deutschland startete man bereits 1995. Bis heute wurden allein in der Bundesrepublik über neunzigtausend Steine verlegt, europaweit inzwischen über hunderttausend. 

In der vergangenen Woche wurden in Jabloec n.N. die ersten Stolpersteine verlegt.
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