Auf Luthers Spuren durch die Zwickauer Altstadt wandeln

  
Die Bedeutung der Reformation für die Region Mitteldeutschlands ist nicht zu unterschätzen. Vieles wäre sicherlich in der Historie anders verlaufen, hätte es diese frühen humanistischen und reformerischen Strömungen nicht gegeben.

Für Zwickau ist das Grund genug, den Ereignissen von vor 500 Jahren einen eigenen Rundgang zu widmen. Die Stadt an der Mulde hat so einen reizvollen Anschluss an den Sächsischen Lutherweg geschaffen. 

Beginnen lässt sich der Rundgang an jedem beliebigen Punkt. Beispielsweise auf dem Hauptmarkt. Aus einem der Rathausfenster soll Martin Luther im Frühjahr 1522 zu mehr als 14.000 Menschen aus Zwickau und Umgebung gepredigt haben. Gleich rechts neben dem Rathaus, an der Ecke der heutigen Inneren-Schneeberger-Straße, steht das schmalste Haus Zwickaus – das so genannte Handtuch. Erbauen ließ es der Bürger und spätere Stadtschreiber Stephan Roth 1534. Roth stand bis zum Streit über die Besetzung der Pfarrstellen in engem Kontakt und guter Freundschaft zu Martin Luther und weilte selbst längere Zeit in Wittenberg.

Verlässt man den Hauptmarkt in Richtung Muldenufer, gelangt man an die Paradiesbrücke. An ihrer Stelle muss es zu Luthers Zeiten eine Holzbrücke über den Fluss gegeben haben. Über Sie soll sich der Reformator auf seiner Flucht vor wütenden Franziskanermönchen in das an ihrem Ende stehende Wirtshaus gerettet haben. Bei seinem Eintreten soll der Flüchtende gerufen haben: „Gott sei Dank, dass er mich dieses Haus finden ließ. Denn wahrlich, es ward mein Paradies!“ Von da an hieß es das Wirtshaus „Zum Paradies“ – das heute nicht mehr erhalten ist. Wandert man die Mulde flussabwärts, kommt man nach wenigen Minuten zur Katharinenkirche und dem Schloss Osterstein. St. Katharinen war die Gemeinde in der Thomas Müntzer bis zu seiner Entlassung durch den Rat der Stadt predigte und von wo aus er das reformatorische Geschehen vorantrieb. 1219 erstmals erwähnt, war sie Schloss- und Stadtkirche. Baugestaltlich wird sie durch ihren Umbau zur spätgotischen Hallenkirche geprägt. Die Bautätigkeit erstreckte sich jedoch fortwährend vom 12. bis ins 19. Jahrhundert. Bedeutend ist vor allem der Altar aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä.

Von hier aus geht man bequem durch die Altstadt in ein paar Minuten zurück ins Zentrum zum Domhof – einem der zentralen Schauplätze reformatorischer Ereignisse. Mit dem Dom St. Marien, den Priesterhäusern und dem ehemaligen Standort der alten Lateinschule – heute befindet sich an dieser Stelle die Galerie am Domhof – stehen hier gleich drei Zeitzeugen.

Die Lateinschule wurde erstmals 1383 erwähnt. Das Schulgebäude am Domhof ließ der reiche Bürger und Amtshauptmann Martin Römer 1479 erbauen. Im 16. Jahrhundert wirkten hier bedeutende Persönlichkeiten wie Georgius Agricola, Stephan Roth, Leonhardt Natter und andere. Sie alle standen in engem Kontakt zu den Wittenberger Reformatoren. Die Schule genoss weit über die Grenzen Zwickaus hinaus einen exzellenten Ruf. Aus ihr ging im 19. Jahrhundert das Realgymnasium hervor.

Etwas weiter außerhalb des Stadtzentrums befinden sich die Moritz- und die Lutherkirche. Auch wenn sie nicht direkt mit dem Reformationsgeschehen in Verbindung stehen, sind sie doch Zeugnisse der später gewachsenen evangelischen Gemeinden der Stadt.

Auch die Kunstsammlungen Zwickau Max-Pechstein-Museum, das Stadtarchiv und die Ratsschulbibliothek als Sachsens älteste, öffentliche, wissenschaftliche Bibliothek, verwahren kostbare Schätze aus der Lutherzeit. So unter anderem eine große Sammlung sakraler Kunst der Region mit Werken des berühmten Bilderschnitzers Peter Breuer (1472-1541), Lutherbriefe sowie die Gehaltsquittungen Thomas Müntzers oder aber kostbare Bibeln.

Auf den insgesamt 16 Stationen die zur Reise in die Reformationszeit einladen, bekommt man nicht nur einen wunderbaren Eindruck von der Altstadt, sondern auch Einblicke in die historischen Zusammenhänge.