Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Projekt „Forgotten Tracks“, das gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Käthe-Kollwitz-Gymnasium Zwickau entwickelt wurde. Aus historischen Fotografien wurden Lebensgeschichten rekonstruiert – vorsichtig, tastend, oft berührend konkret. So entstehen Portraits von Menschen, die wieder einen Namen, ein Gesicht und eine Geschichte bekommen.
Diese Arbeiten öffnen zugleich den Blick über Zwickau hinaus: In Kooperation mit der Schule Základní škola Liberecká in der Partnerstadt Jablonec nad Nisou entsteht eine zweisprachige Wanderausstellung, die Erinnerung über Grenzen hinweg verbindet.
Im Zentrum der Ausstellung in den Priesterhäusern aber steht ein Objekt, das wie ein leiser, beständiger Faden alles zusammenhält: die Thorarolle der Zwickauer Gemeinde. Sie hat die Zeit des Nationalsozialismus überdauert und wird in der Ausstellung nicht nur als Exponat gezeigt, sondern als Symbol für Kontinuität und Verletzlichkeit zugleich. Wie ein Band zieht sie sich durch die Raum, verbindet die historischen Brüche mit der Gegenwart und macht Erinnerung buchstäblich „be-greifbar“. Ergänzt wird die Präsentation durch Objekte aus dem Umfeld des Kaufhauskonzerns Schocken sowie weitere Zeugnisse jüdischen Gemeindelebens in Zwickau.
Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Gesprächen, Workshops, Konzerten und Angeboten für Familien lädt dazu ein, die Themen der Ausstellung weiterzutragen und ins Gespräch zu kommen. Die erste Veranstaltung ist die Stadtführung „Jüdisches Leben in Zwickau“ am Samstag, dem 27. Juni um 14 Uhr. Es schließen sich eine Führung über den jüdischen Friedhof (28. Juni) sowie die Führung durch die Sonderausstellung am 2. Juli an. Weitere Termine sind dem Veranstaltungskalender unter www.priesterhaeuser zu entnehmen.
„Erinnerns_Wert“ ist damit mehr als eine historische Schau. Es ist ein Ort des Innehaltens – und eine Einladung, genau hinzusehen: auf das, was war, auf das, was fehlt, und auf das, was erinnert werden will.