Zwickau macht „jüdische Spuren“ sichtbar

veröffentlicht am: 23.06.2026

Das Kulturamt informiert:

Sonderausstellung im Jahr der jüdischen Kultur

Mit einer Sonderausstellung widmen sich die Priesterhäuser einem lange Zeit wenig beachteten Kapitel der Stadtgeschichte: „Erinnerns_Wert. Jüdische Spuren in Zwickau“ schafft vom 25. Juni an einen vielschichtigen Erfahrungsraum, der das frühere jüdische Leben sichtbar macht. Zu sehen sind beispielsweise eine Thora, die die Zeit des Nationalsozialismus überstand und erst 2022 wiederentdeckt wurde, oder Exponate aus dem Umfeld des Kaufhauskonzerns Schocken. In einem Schulprojekt wurden außerdem Lebensgeschichten rekonstruiert.

Die Ausstellung in dem städtischen Museum wird am kommenden Donnerstag um 17 Uhr eröffnet und ist bis 9. November zu sehen. Ergänzt wird sie durch ein umfangreiches Begleitprogramm: Zu den rund 40 Veranstaltungen gehören Stadt- und Ausstellungsführungen ebenso wie Konzerte und Vorträge.

Die Ausstellung – Vergangenes erfahrbar machen

Wie erinnert man an etwas, das nicht mehr sichtbar ist? Die neue Sonderausstellung in gibt darauf eine eindringliche Antwort: nicht durch Abstand, sondern durch Nähe, durch Räume, die berühren durch Objekte, die sprechen und durch eine Gestaltung, die Geschichte nicht erklärt, sondern erfahrbar macht.

Wer die Ausstellung betritt, begegnet einer Geschichte, die zugleich fern und überraschend nah wirkt: dem jüdischen Leben in Zwickau – seiner Vielfalt, seiner Selbstverständlichkeit und seiner gewaltsamen Zerstörung.

Seit Jahrhunderten war jüdisches Leben fester Bestandteil der Stadt. Es gab eine jüdische Gemeinde, eine Synagoge, eine Schule – Orte des Alltags, des Glaubens, der Begegnung. Heute sind sie nahezu verschwunden. Zurück bleiben Fragmente, Spuren, Leerstellen im Stadtbild. Die Ausstellung macht genau diese Abwesenheit sichtbar – und verwandelt sie in eine erzählte, begehbare Erinnerung.

Statt Distanz setzt die Präsentation auf Unmittelbarkeit: Dokumente, Fotografien und persönliche Objekte lassen Lebensgeschichten aufscheinen – von Menschen, deren Alltag in Zwickau begann und durch Ausgrenzung, Flucht, Vertreibung und Ermordung jäh zerstört wurde.

Blick in die Ausstellung
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„Forgotten Tracks“

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Projekt „Forgotten Tracks“, das gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Käthe-Kollwitz-Gymnasium Zwickau entwickelt wurde. Aus historischen Fotografien wurden Lebensgeschichten rekonstruiert – vorsichtig, tastend, oft berührend konkret. So entstehen Portraits von Menschen, die wieder einen Namen, ein Gesicht und eine Geschichte bekommen.

Diese Arbeiten öffnen zugleich den Blick über Zwickau hinaus: In Kooperation mit der Schule Základní škola Liberecká in der Partnerstadt Jablonec nad Nisou entsteht eine zweisprachige Wanderausstellung, die Erinnerung über Grenzen hinweg verbindet.

Im Zentrum der Ausstellung in den Priesterhäusern aber steht ein Objekt, das wie ein leiser, beständiger Faden alles zusammenhält: die Thorarolle der Zwickauer Gemeinde. Sie hat die Zeit des Nationalsozialismus überdauert und wird in der Ausstellung nicht nur als Exponat gezeigt, sondern als Symbol für Kontinuität und Verletzlichkeit zugleich. Wie ein Band zieht sie sich durch die Raum, verbindet die historischen Brüche mit der Gegenwart und macht Erinnerung buchstäblich „be-greifbar“. Ergänzt wird die Präsentation durch Objekte aus dem Umfeld des Kaufhauskonzerns Schocken sowie weitere Zeugnisse jüdischen Gemeindelebens in Zwickau.

Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Gesprächen, Workshops, Konzerten und Angeboten für Familien lädt dazu ein, die Themen der Ausstellung weiterzutragen und ins Gespräch zu kommen. Die erste Veranstaltung ist die Stadtführung „Jüdisches Leben in Zwickau“ am Samstag, dem 27. Juni um 14 Uhr. Es schließen sich eine Führung über den jüdischen Friedhof (28. Juni) sowie die Führung durch die Sonderausstellung am 2. Juli an. Weitere Termine sind dem Veranstaltungskalender unter www.priesterhaeuser zu entnehmen.

„Erinnerns_Wert“ ist damit mehr als eine historische Schau. Es ist ein Ort des Innehaltens – und eine Einladung, genau hinzusehen: auf das, was war, auf das, was fehlt, und auf das, was erinnert werden will.

Schicksale jüdischer Familien
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Die Ausstellung ist vom 25. Juni bis 9. November zu sehen.
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Die Priesterhäuser Zwickau haben ihren Ursprung im 13. Jahrhundert. Sie gehören zu den ältesten erhaltenen Wohnbauten Deutschlands. Nach rund einem Jahrzehnt der Rekonstruktion und Sanierung konnte das aus vier Gebäuden bestehende Ensemble 2003 als Museum für Stadt- und Kulturgeschichte eröffnet werden. Seither bietet es vielseitige und spannende Einblicke in die Vergangenheit. Besonders sehenswert sind die behutsam restaurierten Stuben, Kammern und Rußküchen, in denen die spätmittelalterliche Lebens- und Alltagswirklichkeit der früheren Bewohner erlebbar wird. Regelmäßig laden die Priesterhäuser zu Sonderausstellungen ein.

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